
Wenn eines der Dresdner Hefte des Dresdner Geschichtsvereins e.V. mit „Tatort Dresden“ überschrieben ist. dann greife ich natürlich zu. Dabei kommen die Herausgeber natürlich nicht um Bruno Ehrlicher und seinen Partner Kain herum:
Der Rollenname war Programm: Kommissar Ehrlicher verband ostdeutsche Bodenständigkeit und Erfahrung mit einem gerüttelten Maß an Umsicht und Glaubwürdigkeit. Die Figur war wohl auch deswegen so beliebt, weil sie erfolgreich durch die Untiefen eines teils prekären Umbruchs der 1990er-Jahre navigierte. Die Umbrüche im Dresdner Stadtbild waren fast in jeder Folge inklusive.“1
In dem Heft geht es um eine Reihe von realen Tatorten in Dresden, die Autoren beginnen 1724 mit einem spektakulären Fall und arbeiten sich sich durch bis zur Gründung der Soko Rex (Sonderkommission Rechtsextreminsmus) die 1991 beim LKA Sachsen gegründet wurde.
Mike Schmeitzner schreibt in „Wie Phönix aus der Asche?“ über die Dresdner Kripo und die Zeitenwende 1945. Dabei geht er auf die „Entnazifizierung“ ein, den nahezu kompletten Austausch des Polizeipersonals in Sachsen.
Der Austausch betraf nicht nur Polizisten mit vormaliger NSDAP-Mitgliedschaft, sondern auch Beamte, die der Staatspartei nicht angehört hatten. Nur in Ausnahmefällen konnten Polizisten weiter ihren dienstverrichten, wenn sie den Nachweis eines antifaschistischen Verhaltens im NS-Regime erbrachten.“2
Max Opitz, der frühere KPD-Reichstagsabgeordnete, war der neue Polizeipräsident, der die Polizei neu organisierte im Auftrag von KPD / SED und der Sowjetischen Militäradministration. Zu Beginn des Jahres 1946 waren im Dresdner Kriminalamt von 261 Mitarbeitern gerade 21 parteilos, hat Schmeitzner herausgefunden.
Einer von diesen muss Max Heller gewesen sein, der allerdings ist die fiktive Hauptfigur in bisher 8 Büchern des Dresdner Krimiautors Frank Goldammer. „Wer sind Sie? sind Sie Nazi oder Kommunist?“ wird Heller am Ende des 1. Bandes „Der Angstmann“ gefragt. Seine Antwort lautete: „Ich bin Max Heller“.
Goldammer ist seinen Leserinnen und Lesern bisher bisher schuldig geblieben, wie Max Heller durch die Nazizeit gekommen ist, wenn er im Herbst 1944 ermittelt und nach Kriegsende in der Polizei verbleiben darf. Wir wissen zwar, wie er „In Zeiten des Verbrechens“ zur Polizei kam, aber mehr eben NOCH nicht. 31 Kripobeamte von fast 300 Polizeibeamten wurden wegen nationalsozialistischer Verbrechen zwischen 1945 und 1947 zum Tode verurteilt und exekutiert, andere kamen in „sowjetische Speziallager“.3

Doch nun sehen wir ein Licht am Horizont. Caroline Förster hat mit dem bekannten Autor am Ende des Heftes ein Interview geführt. In diesem erzählt Goldammer von seinem Schreiben in seiner Heimatstadt und davon, dass ihn der „Mensch an sich fasziniert“.
Mich beschäftigen zweitens Umbruchzeiten. Was kommt dann noch so aus dem Menschen raus, aus dem scheinbar normalen Menschen? Oder was bewirken diese Umbruchzeiten? Gerade haben sie alle noch ,Heil Hitler!‘ gebrüllt und im nächsten Moment, und das sagt einer der Russen im Buch ,Der Angstmann‘: ,Nix Nazi, kein Nazi? Was? Nie Faschist, niemand war Faschist‘4
Und nun kündigt Frank Goldammer an, dass die Geschichte von Max Heller weiter erzählt wird. Er beginnt mit der Zeit in der Weimarer Republik bis zum Beginn der NS-Zeit. Na endlich, möchte ich sagen, endlich hat sich der Verlag „breitschlagen“ lassen.
Seien wir gespannt.
- Förster, Kästner, Schmeitzner: Tatorte als Spiegel der Stadtgesellschaft? In: Dresdner Hefte / 44. Jg / Heft 166 – 2-26 / Seite3 ↩︎
- Mike Schmeitzner: Wie Phönix aus der Asche?, Ebenda, Seite 53 ↩︎
- Ebenda, Seite 52 ↩︎
- Caroline Förster: „Also erstens fasziniert mich der Mensch an sich“, In: Ebenda, Seite 92 ↩︎
PS: Warum findet sich im Titelbild des „Stolpersteine“ Buch? na, weil Ehrlicher und Kain zum Polizeipräsidium immer in der falschen Richtung über das Blaue Wunder gefahren sind. Aber das war ja nicht der Grund für das Buch. In diesem hat Manfred Lukaschewski Krimiautoren und Drehbuchautoren eine Handreichung zur Fehlervermeidung verpasst, auch Frank Goldammer hat so ein persönliches Exemplar. Aber das gilt natürlich für eine andere Umbruchzeit.
UR – NZ, 18.09.26