Archiv der Kategorie: Rezension

Über das Verbrennen von Büchern

Über das Verbrennen von Büchern berichtet unter #weiterlesen: Das Literaturnetz Dresden. Es geht um die doppelte Bücherverbrennung, über die sich im folgenden Beitrag der Redaktuer Oliver Reinhard und der Historiker Mike Schmeitzner austauschen.  Die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten ist meist mit dem 10. März verbunden. An diesem Tag brannten auch Bücher auf der Dresdner Räcknitzhöhe, an einem Ort meiner Kindheit. Jedoch gibt es ein weiteres Datum, das in Dresden interessant ist, das ist der 8. März, an dem schon Bücher brannten am Wettiner Platz…

 

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Haupt, Klaus-Werner: Francesco Algarotti

Gelehrter – Connaisseur – Poet

Mit Buch ins Museum. In eine Kunstausstellung. Ja, das habe ich schon mal getan. Einmal, das war im Jahr 2013, besuchte ich mit dem Buch zur Ausstellung das Albertinum. Dabei ging es um „Indianer aus dem Vatikan“. Dem heutigen Thema etwas näher, auch räumlich, war das zweite Mal, denn ich nahm Findeisens „Goldenen Reiter“ mit in das Grüne Gewölbe im Dresdner Schloss, auf der Suche nach den Kunstwerken des Johann Melchior Dinglinger. Das hier heute zu besprechende Buch wird mich wohl in die Gemäldegalerie alte Meister im Dresdner Zwinger führen, unbedingt zum Schokoladenmädchen, weil ich am Original sehen , wie sich die Fenster im Wasserglas spiegeln und den Faltenwurf der Schürze bewundern möchte. Oben steht was von einem F. Algarotti, doch der ist der Maler des Bildes nicht, er hat es „beschafft“, „vermittelt“, „ersteigert“ und noch mehr von Schweizer Maler Jean-Étienne Liotard, dem er gleichermaßen ein Porträt von sich selbst verdankt.

Francesco Algarotti

Gehört hatte ich von diesem Venezianer, Francesco Graf von Algarotti (1712 – 1764) noch nie, wohl aber von drei bekannten Größen des 18. Jahrhunderts. Da wären in Sachsen zwei und in Preußen einer (neben anderen) zu nennen: Friedrich August II., Kurfürst von Sachsen, als August III. König von Polen und dessen Premierminister, Heinrich Graf von Brühl. In Preußen deren Widersacher: Friedrich der Große.

Vor allem hat er für seine Auftraggeber, als Gönner zeigt sich höchstens der Große Friedrich, Bilder beschafft. Für den August ganze Sammlungen, zum Beispiel die eines Herzogs von Modena. Es müssen hunderte Gemälde gewesen sein, für die der Kurfürst und König seinen Premier das Geld und eine ganze Kompanie reisender Kunstsammler die Gemälde beschaffen lies.

Doch dieser Algarotti war noch mehr, zum Beispiel ein glühender Anhänger Isaac Newtons. Er vollzog einige optische Experimente des großen Engländers nach, schrieb auch darüber. Sein „Newtonianismo per la Dame ovvero dialogo sopra la luce e i colori“ wurde Jahrzehnte später von Goethe besprochen, der sich ja auch mit Farbenlehre beschäftigte, aber diesen „Newtonianismus für die Damen oder Dialog über das Licht und die Farben“ verriss.

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Großes Sommertheater – Frank Goldammer

Cover_Sommertheater

Was sehen wir heute? Das Meer… (Zitat aus einem Film)

„Ein richtiges Meer ist die Ostsee, wenn auch nur ein kleines, mit Gezeiten, die kaum zu spüren und erst recht nicht zu sehen sind. Bei Wismar hat die Tide gerade einmal eine Amplitude von fünfzehn Zentimetern, ziemlich schlapp für ein Meer. Aber doch auch irgendwie gut, denn wer will schon ein Meer, dem man immerzu nachlaufen muss um wenige Stunden später wieder zu ihm zu flüchten?“
Auch der Salzgehalt ist längst nicht so hoch…“

(Seite 5)

Aber wen interessiert schon die Tide bei Wismar, wenn die folgende Geschichte auf Usedom spielt? Nach fünfeinhalb Seiten hat einen der Dichter ordentlich eingelullt: Man denkt zurück an Kindertage an denen man nackig am Textilstrand rumplanschte, Mutti immer bedacht, dass der Po weder übermäßig vom Sand, noch von der Sonne gerötet wurde. Oder an die Fahrten als Jugendlicher, immer mit Zelt unterwegs und Bier am Strand, oder später dann, im Abendrot entlangwandernd der Wasserkante in Binz auf Rügen oder Heringsdorf auf Usedom, oder Kloster auf Hiddensee…

Großes Sommertheater gibt es alljährlich wieder in Ralswiek wo man den Störtebeker besucht und im Dunkel Kanonen donnern und Schiffe versinken…

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Eine Kiste Pappen

Ein Mädchen irrt durch Dresden. Es hat seine Mutter begleitet, die auf die Entbindung eines weiteren Geschwisterchen wartet. Nur in der großen Stadt, hofft der Vater, kann seiner Frau geholfen werden. Um 1890 dauert es noch, bis man in Dresden ankommt mit dem Pferdewagen. Jetzt schickt die Mutter das Mädchen zurück. Es ist Weihnachten…

Ralf Günther und seine Weihnachtsgeschichten

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Mohr, Francis: Flashback Ost

Road Fiction: Used for works in which a journey, as a life-changing experience, is a central part of the Action. [1]

Okay, dann stimmts. Die Reise führt den Polen Stani, den Galizier Igor und den Deutschen Hannes von Leipzig über Dresden nach Opole und nach Lwiw. 

Also, der Hannes pendelt in den achtziger Jahren zwischen Leipzig, da ist er geboren, und Dresden hin und her. Mitte der Neunziger agiert er mit den beiden anderen von Opole aus. Stani „arbeitet“ mehr in Polen, kommt aber mit Igor auch mal bis nach Lwiw. Das ist Igors Heimatstadt und dessen Eltern leben dort. Igor war mal in Deutschland, als Soldat der Roten Armee und spezifische Erlebnisse als solcher, werden Einfluss auf das Ende der Roadfiction haben. An den Anführungszeichen sieht man, dass die „Arbeit“, nun sagen wir mal, zwar gegenständlich aber weniger ehrlich ist. Kurz gesagt, der Hannes nimmt Leuten in Deutschland die Westautos weg, in Opole werden sie umgefriemelt und Igor fährt die Kisten dann in die Ukraine. Mehr muss man zum Modus Operandi nicht erwähnen, nur dass sich das Mitleid bezüglich der ehemaligen Besitzer ob deren Verhalten und Benehmen in Grenzen hält. Kurz, die haben das verdient. [2]

 

 

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Hetze, Willi: Die Schwärmer

In einer hoffentlich fernen, besser noch, nie so eintreffenden Zukunft, scheint in einem kleinen Kaff im Norden noch alles beim alten zu sein. Bis mit einem Schlag keine Post mehr kommt. Die Chefin des Postamtes sendet ihren Sohn, der bisher als Postbote arbeitete, in die „Hauptstadt“. Er soll ergründen, was da los ist.

Es ist eine seltsame Stadt, in die Teo da kommt. Gleichsam fortbauend bewegt sie sich in der Fläche und in die Höhe. Das Hauptpostamt liegt irgendwo in einer der unteren Ebenen. Man braucht es nicht mehr, Briefe werden nicht mehr geschrieben, Pakete könnten mit Drohnen versendet werden. Nun regiert der SCHWARM.

„Der Ort der Macht war nie ein Palast oder Parlament, sondern immer schon das Hirn.“ 

Die Schwärmer – Seite 130

Alle Menschen sind durch in diesen Schwarm durch ihren Funknerv verbunden. Den Funknerv bekommt man, indem man eine runde Kugel wie eine Pille schluckt. Nichts ist mehr geheim, nichts geht mehr verloren, selbst nach dem Tof sind die Gedanken, selbst die Gefühle für andere SCHWÄRMER abrufbar.

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Findeisen, Kurt Arnold: Der Siebenpunkt

Unter dem Blauen Wunder

Wenn man doch raus könnte. Zum Beispiel in die Sächsische Schweiz. Doch sitze ich hier ja in Mecklenburg fest. Naja, ich kann ja raus hier, aber eben gerade nicht nach Sachsen. Da muss ich mich also begnügen. Mit einem Heftchen, welches ich als Beigabe in einer Bücherkiste erhielt. Eine Geschichte steht darin. Eine Geschichte von Kurt Arnold Findeisen. Die Geschichte heißt: DER SIEBENPUNKT.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Es gab da einen Angestellten in einer Dresdner Firma, der hieß Leopold Ackermann. Dem hatte es ein Mädchen angetan, welches Elsa Specht gerufen wurde. Dem Leopold war jüngst eine entfernte reiche Tante verstorben und die hatt ihn etwas über 50 Reichsmark vererbt. Dass seine Firma mit dem seltsamen Namen „Fe-Be-Ko-Bra“, was für „Fellbearbeitungskompanie Brandt“ steht, aus Kaninchenfellen echte Nerze und Silberfüchse herstellte, tut hier nichts zur Sache. Ebensowenig wie der Umstand, dass besagtes Fräulein Specht angestellt in „Steiners Paradiesbetten“ war. Das Mädchen wohnte in einem Hinterhaus und war nicht sonderlich begütert. Aber Leopold fand sie entzückend.

Regelmäßig trafen sie sich an einem Speiseautomaten, der für einige Groschen (wer weiß denn schon noch, was ein Groschen ist) Schnittchen mit Hackepeter und Gürkchen, Fleischsalat oder altdeutsche Würtchen mit Senf darbot. So eine Mittagspause ist im Jahr 1939 recht kurz und so lud der Leopold die Elsa zu einem Ausflug ein und der führte in die Sächsische Schweiz, „oder wie man neuerdings sagte, ins Sandsteingebirge.“

 * * *

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Günther, Ralf: Als Bach nach Dresden kam

Ein Musiker – Duell

Mehrfach besuchte ein gewisser Johann Sebastian Bach Elbflorenz. Konzerte fanden an verschiedenen Orten statt, zu manchem Musiker hielt er persönlichen Kontakt. Von der h-Moll-Messe ist zu lesen, die dem Kurfürst Friedrich August II, König August III. von Polen gewidmet wurde. Auch die sogenannten Goldberg-Variationen haben mit Dresden zu tun. In der sächsischen Landeshauptstadt gibt es, wie anderso, ein Bachfest

Nun wurde eine Geschichte niedergeschrieben, nach der Bach (1685 – 1750) in Dresden an einem Orgelwettbewerb teilnehmen sollte. Ralf Günther, inzwischen vielen Dresdnern durch seine Dresden-Romane geläufig, erzählt, wie Jean Baptiste Volumier (1670 – 1728) im Auftrag des Starken Augusts den französischen Organisten Louis Marchand (1669 – 1732), ehemaliger Hoforganist Ludwig XIV.,  an den sächsischen Hof bringen sollte.

Argwöhnend, dass sein Amt des Direktors der französischen Hofmusik dadurch gefährdet sein könnte, ersinnt er einen Wettbewerb und reist ohne Order nach Weimar, um den damals noch jungen und schon bekannten Komponisten und Organisten zu einem Wettbewerb in Dresden zu überreden.

Aber ist die Geschichte denn wahr? Nach Ralf Günter kam es nie zum direkten Wettbewerb. „Das bis heute wohl berühmteste Duell der Musikgeschichte, ebenjenes, von dem wir hier gelesen haben, fand 1717,… gar nicht statt.“ (Seite 149) Doch der Franzose bekam wohl Hummelsausen. Schade.
In einem Roman darf der Autor ein klein wenig schummeln und so bekommen wir eine kleine, wieder einmal sehr interessante und schön geschriebene Geschichte vorgelegt: Die Lektüre löste umfangreiche Googelei aus.

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Mohr, Francis: Hotel A_TORIA

Links das ASTORIA – Rechts das andere*

Ein Dresdner Autor: Francis Mohr. Ein Dresdner Hotel: Das Astoria. Dachte ich. Aber Mohr ist ja Leipziger und während das Astoria am Strehlener Platz durch einen Lidl ersetzt wurde, steht das A_TORIA links neben Leipzigs Hauptbahnhof immer noch. Es war und ist ein Wahrzeichen von Leipzig. Schön sieht er nicht aus, dieses 1915 eröffnete, bis 1996 in Betrieb befindliche riesige Bau. Seit dem siecht es dahin. Davon erzählt die Titelgeschichte in der Mitte des Büchleins.

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Waldschlößchenbrücke

FÄRDSCH isse, de Brügge!
oder 
KaratekaDD erklärt die Sache mit der Brücke

So hieß die Überschrift am 26. August 2013 auf unserem Blog Litterae – Artesque. Der Zusatz „KaratekaDD erklärt…“ verweist auf diverse eigene Schreibergüsse, aber die könnt ihr hier selber nachlesen. Die Waldschlößchenbrücke hat Dresden unrühmlich berühmt gemacht. Also berühmt war Dresden ja bereits vorher, aber eine deutsche Großstadt, eine Landeshauptstadt, braucht gelegentlich einen Skandal, der in den Köpfen bleibt.  Hier nun der leicht redigierte Post aus dem Jahr, an dem die „Brügge färdsch“ wurde.

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Brückenansichten

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