Archiv der Kategorie: Kriminalromane

Baum, Beate: Niemand kennt dich, wenn du am Boden liegst

Welch langer Titel für einen relativ kurzen Roman. „Musikerroman“ steht unter dem Titel. Musikerroman? Ein Blick auf die Webseite der Autorin offenbart sogar eine eigenen Rubrik für dieses Genre. 

Um was geht es? Die Band The Distant Stars mit dem schottischen Frontman Tim Cantely spielt zu Beginn auf den Elbwiesen. Das ist schon mal eine Konzertadresse, haben die Musiker doch die brühlsche Terrasse mit der barocken Kulisse der Dresdner Altstadt im Rücken. Dem Konzert lauschen Ines und Kevin, Bruder und Schwester, begeistert nicht nur von der Band sondern vor allem von den Soli des Gitarristen John Raymond. Wer jetzt schon auf die Webseite unter Musikerromane geschaut hat, findet dort auch die Ballade Ines und John, womit klar ist, die beiden sind verbandelt.

Das Konzert endet mit Stress, denn 23 Uhr hat Ruhe zu sein. (Das wusste ich noch gar nicht…) Als nächste Station steht Dortmund auf dem Programm, wen wundert´s, bei der Biografie der Wahldresdnerin Beate Baum. Bevor wir uns nach Dortmund bewegen, besuchen wir erst mal die Szenekneipe Planwirtschaft.

In Dortmund soll The Distant Stars als Vorband für Eric Clapton auftreten, was schwierig wird, denn dieser Cantely hat vor allem ein Problem, er bevorzugt nämlich zur Vorbereitung seiner Auftritte Mittel, wegen denen man mit der Polizei in Kontakt kommen kann. Tim Cantely allerdings wird gleich noch verhaftet. Mordverdacht. Für das Clapton-Konzert springt Kevin ein, das geht natürlich auch schief, der hatte was in der Cola.

Das ist der Stoff des Romans, der offenbart, dass Beate Baum nicht nur musische Interessen offenbart, sondern auch diverse Kenntnisse zu H und anderen Substanzen.

Die Handlung wird dann weiter nach England verlegt, diese Ines, deren eigentliche Profession Krankenschwester ist, muss dort als solche ran. Außerdem studiert sie ja in Loverpool an der LIPA. Liverpool Institute for Perfoming Arts.

Ob die Band auseinanderbricht? Was hat es mit dem Physiotherapeuten von Borussia Dortmund und dessen Biene Maja Uhr auf sich? Wohin entwickelt sich das Katz- und Maus-Spiel mit der Dortmunder Hauptkommissarin?

(mehr …)

Goldammer, Frank: Juni 53

Max Heller und ein Mord: Politisch oder nicht?

Der Sommer 1953 blieb den Menschen in Deutschland auf unterschiedliche Art und Weise in Erinnerung. Vor allem in der DDR, denn dieser Sommer hat ein historisches Datum aufzuweisen: der 17. Juni ist der Tag des Volksaufstandes. Im Land brodelt es, auch in Dresden gehen Arbeiter auf die Straße.

Der den Leser von Frank Goldammer bekannte Kriminaloberkommissar Max Heller steht am Morgen des 18. Juni in der Küche und bittet seine Frau an diesem Tag nicht zur Arbeit zu gehen, die Ziehtochter Anni soll auch nicht die Schule besuchen:

„Ja, er hatte sie gesehen. Die wütenden Männer. Beim Sachsenwerk. Karin arbeitete dort in der Buchhaltung. Zuerst Waren es ein paar Hundert gewesen, dann ein paar Tausend, dann waren sie zu den ABUS-Werken gezogen. Schließlich sollten es nach Schätzungen der Polizei zwanzig-, dreißigtausend gewesen sein, und auf ihrem Zug durch die Stadt hatten sich ihnen immer mehr angeschlossen. Es war friedlich geblieben, bis auf ein paar Handgreiflichkeiten.Doch Karin wusste nicht alles. Er war erst spät in der Nacht heimgekommen, da hatte sie schon geschlafen.»In Leipzig waren hunderttausend auf der Straße. Sie haben das Volkspolizeikreisamt und das Funkhaus angegriffen, FDJler verprügelt. Es hat Tote gegeben. In Halle und Magdeburg waren es an die fünfzigtausend. Es gab viele Tote, auch Polizisten hat es getroffen. In Berlin sowieso, es gab Straßenschlachten, angeblich sogar MG-Feuer.« Heller fuhr sich nervös durchs Haar. »Karin, das ist kein Jux, glaub mir. Hier blieb es nur ruhig, weil die Sowjets gleich mit Panzern und die KVP unter schwerer Bewaffnung ausgerückt sind. Und wir wissen noch nicht, ob es Tote gab. Überall wird zum Generalstreik aufgerufen.«»Ich weiß doch, dass das kein Spaß ist, Max.« Karin verschränkte trotzig die Arme und lehnte sich an die Anrichte. Seine Worte hatten die Wirkung auf sie nicht verfehlt. DochHeller kannte seine Frau, so schnell gab sie sich nicht geschlagen.»Wenn ich nicht zur Arbeit gehe, dann streike ich ja mit. Und Anni? Was denkt ihre Lehrerin?«»Du weißt, das ist nicht dasselbe«, mahnte Heller. Noch immer hingen ihm die Bilder des Vortages nach. Diese Menschenmasse. Und so viel Hass und Wut, die entweichen wollten. Die Leute waren zu allem bereit.»Sie wollen doch nur ein besseres Leben«, sagte Karin“. 

Juni 53 – Seite 6

(mehr …)

ROTER RABE zum Zweiten…

Bloggertreff LBM 2015

oder eine freundschaftliche Entgegnung am 07. Februar 2019

Mit Spannung erwartete ich die Buchbesprechung zum ROTEN RABEN eines Bloggerkollegen aus dem bayerischen Raum. Grade eben ist sie erschienen, die Besprechung der Kleinen literarischen Sternwarte ASTROLIBRIUM von Arndt Stroscher. Seine Rezensionen zeichnen sich gegenüber so vielen der oft einem allgemeinen Schema folgenden Buchbesprechungen aus, auch, oder vor allem, weil man sie hören kann. Auf LITERATUR RADO HÖRBAHN. Großes Format. Wirklich.

Oft, ja meistens verstehen wir uns gut, haben ähnlich Ansichten, interpretieren Texte derselben Bücher. Kennengelernt haben wir uns durch den Roman JUDAS von AMOS OZ. Dieses Buch führte zu einem ersten Treffen auf der Leipziger Buchmesse 2015.

Vor einigen Jahren richtete sich der Fokus auf den Dresdner Autor Frank Goldammer. Mit seiner Max – Heller – Reihe, verlegt im DTV, kam er auf einer hohen Wolke im literarischen Himmel der historischen Kriminalromane an.

(mehr …)

Goldammer, Frank: Roter Rabe

Vierzehn Tage ohne Karin Heller

Zum vierten Mal ermittelt Max Heller im Nachkriegs-Dresden. Es ist das Jahr 1951. Der Kalte Krieg entwickelt sich. Im Erzgebirge wird Uranerz abgebaut. Die Welt hat Angst vor der Atombombe. Eine Reihe von Morden beschäftigt den Kriminalisten und seine beiden Mitarbeiter. Doch die Geheimdienste, der sowjetische sowie das MfS, blockieren die Ermittlungen. Außerdem gibt es Gerüchte über einen amerikanischen Agenten, den „Amerikaner“, den die Russen „Roter Rabe“ nennen. Mit der Zeit entsteht der Eindruck, dass damit auch ein Überläufer gemeint sein könnte. Oder gar ein Doppelagent?

Soeben kommt Heller mit Frau Karin und Ziehtochter Annie vom Ostseeurlaub zurück, den er für seine Arbeit erhalten hat. Gleich anschließend darf Karin zu Erwin, ihrem jüngsten Sohn in den Westen fahren. (Das sollte 1951 an sich kein Problem gewesen sein, die Grenzen offen – aber als Frau eines Kriminalpolizisten brauchte sie vermutlich die Genehmigung). Vierzehn Tage soll sie fahren. In diese zwei Wochen fallen diese Ermittlungen.

Sie sind alles andere als einfach. Nicht nur wegen der Geheimdienste, auch Hellers Chef versucht den Ermittler immer wieder aufzuhalten. Sein Mitarbeiter Werner Oldenbusch wird eines Tages zur Vernehmung geholt…

Der Roman ist wirklich spannend aber äußerst undurchsichtig. Die Morde lassen kaum Zusammenhänge erkennen. Da sterben einige Zeugen Jehovas, zwei Ingenieure nach einem Anschlag auf das Kraftwerk Mitte in Dresden, ein Häftling in Bautzen…

Da ist Alexej Saizev, den Lesern bereits bekannt seit der Angstmann den Dresdnern Sorgen bereitete. Alexej vom sowjetischen Geheimdienst, ist ein junger Mann von 25 Jahren, Max und er hegen füreinander Respekt, seit Max dem damals jungen hassenden Kommissar im Jahr 1945 offen und unnachgiebig gegenüber trat. Hat Saizev, inzwischen drogen- und alkoholabhängig, was mit der Suche nach dem „Amerikaner“ zu tun? Wer ist die junge Frau in seiner Wohnung, die meint, sie würde ein „richtiges Leben“ führen? Immer wieder läuft ihm der Russe über den Weg bis zum Schluss…
Wir fühlen das Ende nicht nur wegen abnehmender Seitenzahlen kommen und sind doch überrascht, wenn Max Heller und die Leser den roten Raben kennen lernen. Eine Figur, die man sich so kaum vorstellen kann.

(mehr …)

Goldammer, Frank: Vergessene Seelen

Max Heller – Band 3

Max Heller ist wieder da und ermittelt im Jahr 1948 in Dresden. Ungefähr 50 Jahre alt, hat er nun zwei Kriege miterlebt, den ersten davon auch als Soldat. Max Heller ist Kriminalpolizist. Er ermittelte den ANGSTMANN in Dresden in den Jahren 1944 und 1945, er ermittelte zwischen TAUSEND TEUFELN im Jahr 1947 und nun ermittelt er auch im Jahr 1948 zwischen VERGESSENEN SEELEN.

Max hat wohl Schwein gehabt, könnte man sagen. Beide Söhne überlebten den Krieg, seine Frau und er verloren zwar alles Hab und Gut in der Bombennacht vom 12. zum 13. Februar 1945, aber sie leben bei Frau Marquardt auf dem Weißen Hirsch. Sie haben „Nachwuchs“ bekommen: Das kleine Mädchen Anni, wir lernten es in den TAUSEND TEUFELN kennen sagt Mutti und Vati zu Karin und Max. Wie ihre neuen Eltern hat Anni zu viel erlebt und das in ihren jungen Jahren. Doch können Kathrin und Max die Kleine behalten?

Sohn Erwin lebt in den Westzonen. Pakete kommen mit raren Artikeln über Schweden, die Päckchen werden wohl seltener geöffnet. Schon 1948 wird deutlich, da entwickelt sich was auseinander und „DEUTSCHLAND EINIG VATERLAND“ ist wohl schon vorbei, bevor diese Worte zur Hymne des östlichen Teils werden. Erwin schickt plötzlich Geld und es geht das Gerücht, dass im Westen eine Währungumstellung geplant ist: Der Anfang der deutschen Teilung?
Klaus, der ältere Bruder von Erwin ist in Dresden geblieben. Wie haben sich die Eltern gefreut, als er vor ihnen stand. Klaus geht auch zur Polizei, jedoch ermittelt er nun politisch. Kommt er seinem Vater in die Quere?

Es gibt eine Reihe von Toten im Süden Dresdens. Da liegt ein Rangierer der Eisenbahn auf den Schienen unterhalb des Hohen Steins, an einer Stelle, wo es gar nichts zu rangieren gibt. Ein anderer Kriegsheimkehrer steckt in einem Loch auf einer Baustelle – ebenfalls tot. Ein dritter Kriegsheimkehrer säuft und verdrischt regelmäßig seine Frau und seine zwei älteren Söhne – nur den Kleineren lässt er in Ruhe. Warum? Der nächste Tote ist der große Sohn. Was hat der angestellt? Was ist das für eine Bande von Jugendlichen, die auf die Oberschule oberhalb der Bienertmühle gehen? Und warum nimmt der Mittlere Pervitin?Hat der Sohn des Rangierers an einem Blindgänger nahe der Russisch – Orthodoxen Kirche gespielt oder wurde er in dessen Nähe ermordet?
Die Lage ist völlig unklar – und man muss schon bis zum Ende lesen, wenn man die Lösung erfahren will – Nichts ist am Ende, wie es scheint.

Soviel zur Handlung, deren Ausgang natürlich nicht verraten wird. 

(mehr …)

Goldammer, Frank: Tausend Teufel

 

Max Heller – Band 2Dresden 1947. 
Ein klirrend kalter Nachkriegswinter. 
Grausame Morde in einer besetzten Stadt.

Max Heller wird weiterhin gebraucht. Der Soldat des 1. Weltkrieges und danach Polizist, ist auch heute noch dabei: Bei der Volkspolizei. Im Jahr 1945 suchte er den Angstmann und verschaffte sich dabei Respekt bei denen, die in der sowjetischen Besatzungszone das Sagen hatten: den Chefs der Roten Armee und auch dem NKWD – (Народный комиссариат внутренних дел dem Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (aus dem wurde 1954 der KGB gebildet).

Im Jahr 1947 sind das General Medvedev und Oberst Ovtscharov.

Zwischen Hunger und Kälte, wartend auf Sohn Klaus, der aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft demnächst heimkehren soll, ermittelt Max zum Tod bisher zweier sowjetischer Offiziere. Eine Leiche findet man auf der Bautzener Straße, schnellstens abtransportiert durch die Rote Armee. Was die Soldaten nicht mit nehmen, ist ein Rucksack. In diesem findet die Polizei den Kopf eines Kriegsverbrechers.
Informationen wollen sie haben, diese Russen, rausrücken mit solchen wollen sie nicht. Nicht damit, was es mit der Kneipe eines gewissen Gutmann in der Neustadt auf sich hat, die fast abbrennt und dann die Leiche eines jungen Mädchens offenbart: Prostitution, geduldet von den Sowjets und nicht nur das…
Doch wiederum verschafft sich Max Respekt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Nicht von Ovtscharov und auch nicht vor Seidel, dem Staatsanwalt, der schon vor Mai 1945 aktiver Jurist war und nun in der Partei – einer anderen als damals. Ein Schritt, den Max nicht gehen will, so oft ihm auch dazu geraten wird.

(mehr …)

Goldammer, Frank: Der Angstmann

Schon einmal hat der Dresdner Frank Goldammer seine Heimatstadt als zerstörte Stadt beschrieben. Während aber FELDWEBEL sich durch eine (fast) menschenleere Stadt bewegte, und der Blogger hier den Weg ohne Stadtplan mitverfolgte, atemlos, stellt er nun fest, atemlos ist etwas Anderes. FELDWEBEL war Sience Fiction, war Fantasy, ein Genre, was Frank gern bediente…

DER ANGSTMANN. Ich gebe zu, da war ein klein wenig Skepsis. Was habe ich hier in den Händen? Wirklich „nur“ einen Kriminalroman, oder ist da noch etwas, etwas, das nicht von dieser Welt ist, vorhanden? Wer oder was mordet sich da durch das von Flüchtlingen überfüllte Dresden Ende 1944, Anfang 1945?

Wer mich kennt weiß, dass ich dem fantastischen Genre nicht übermäßig zugeneigt bin. Dem schreibenden Maler- und Lackiermeister dagegen schon. Wenige Seiten nach Beginn hatte ich die Befürchtung vergessen. Sie kam kurz wieder, verschwand aber auch schnell.

„Wie viel ist ein Menschenleben wert, wenn die Welt in Trümmern liegt? Der erste Fall für Kriminalinspektor Max Heller.“ (dtv)

Max Heller, Soldat des 1. Weltkrieges, nun Kriminalist in Dresden: Kriminalinspektor. Verheiratet. Zwei Söhne im Krieg. Leben sie noch? Parteilos. Organisationslos. Ein Ausnahmefall, weil die Kriminalpolizei doch in der Hand der sogenannten Schutzstaffel stand. Schwarz uniformiert sein Chef. Dienstgrad Obersturmbannführer.

(mehr …)

Frank Goldammer & Max Heller

Max Heller Reihe (fünf von sieben)

Im Jahre 2016 gelang einemmalernden Vielschreiber aus Elbflorenz der lang erarbeitete Durchbruch. Mit Max Heller schuf Frank Goldammer eine Figur, die zum Identifizieren taugt. Der Kriminalpolizist arbeitet in Dresden und ohne gleich zu viel zu verraten, seine Geschichte soll in etwa siebzehn Jahre betragen. Sie beginnt im Dezember 1944, als DER ANGSTMANN in Dresden umgeht, zumindest geben die Dresdner dem möglichen Serienmörder diesen Namen. Erst nach Kriegsende wird Max Heller, Weltkriegsveteran und kriegsuntauglich für den zweiten dieser Kriege, ermitteln, was es mit dem Angstmann auf sich hat. Heller steht ständige zwischen Ermittlungen, der sowjetischen Militäradministration, seinen Vorgesetzten, erst die des Reichskriminalamtes (Reichsicherheitshauptamt und damit der SS), später die der Kriminalpolizei in der Deutschen Volkspolizei und später seinen Söhnen, einer als Rechtsanwalt im Westen, der andere bei der Staatsicherheit im Osten Deutschlands. Zum Zeitpunkt des Baus der Mauer wird Max Heller 60 Jahre alt sein und die Zeit der Pension ist nahe.

Laut Frank Goldammer werden die letzten beiden Bände in diesem Jahr erscheinen und damit die Entscheidung über den Verbleib der Hellers in der DDR fallen.

DER ANGSTMANN geht ab Herbst 1944 in Dresden um, der Kriminalpolizist Heller wird auf den Fall der grausam zugerichteten Leiche einer Krankenschwester angesetzt. Die Ermittlungen dauern an und werden immer komplizierten, vor allem als am 12. und 13. Februar 1945 der Feuersturm der anglo-amerikanischen Bomberverbände über Dresden braust. Eindrucksvoll die Beschreibung wie Heller durch die brennende Ruinen irrt. Hier findet ihr die Rezension.

Im Jahr 1947 wird in der Dresdner Neustadt ein Rotarmist ermordet. Die sowjetische Militäradministration will die deutschen Polizisten dabei nicht unbedingt mitspielen lassen und schafft die Leiche schon mal weg. Heller findet am Tatort einen Rucksack mit dem Kopf eines Mannes. Wohnungsnot, Hungersnot, klirrende Kälte im zweiten Nachkriegswinter. Verwahrloste Kinder und Jugendliche in der Dresdner Heide. War es im Angstmann der Dresdner Feuersturm, so sind es hier die Erlebnisse mit diesen Kindern, die die Leserin, den Leser den Atem anhalten lassen. Und ein Konzert im Kulturhaus Bühlau. TAUSEND TEUFEL haben viele Menschen in den letzten Jahren erlebt. Für die Kinder sind es die „Russen“; für den sowjetischen Offizier Saizev die „Deutschen“. Lest die Rezension.

Diesmal ermittelt Heller in der Gegend, in der der Dresdner Bücherjunge aufwuchs, in Löbtau und Coschütz. VERGESSENE SEELEN hausen im Jahr 1948 in der Stadt. Kinder bilden Banden, Diebstahl von Holz und Kohle sind an der Tagesordnung. Als der Sohn eines heimgekehrten Kriegsgefangenen das Leben verliert, sind es die Kriegserlebnisse des sturzbetrunkenen Vaters, die in diesem Band Heller und die Leserschaft erschüttern. Eine Rezension, die durch diverse Textauszüge dies beweisen will.

Was ist ein ROTER RABE? Das erläutert Frank Goldammer im vierten Roman der Max-Heller-Reihe. Der Kalte Krieg ist endgültig ausgebrochen, Deutschland ist nicht mehr nur in Besatzungszonen geteilt, inzwischen existieren zwei deutsche Staaten. Die Angst vor Spionen geht 1951 auf beiden Seiten um, die Angst vor dem Einsatz von Atombomben und Geheimnisverrat zum Beispiel im Zusammenhang mit der sowjetisch-deutschen-Aktiengesellschaft Wismut (SDAG), die Im Erzgebirge und sogar in Dresden Gittersee Uran abbaut. Gibt es hier einen Doppelagenten? Alexander Saizev tritt wieder auf den Plan, den Heller schon von Beginn an kennt. Hellers Frau Karin besucht in den vierzehn erzählten Tagen den Sohn Erwin im Westen…  Genaueres findet sich in der Rezension. Außerdem gab es eine Bloggerdiskussion, welche mit veröffentlicht wurde. Hier meine Rezension und Entgegnung auf die Buchbesprechung von Arndt Stroscher.

Der JUNI 53 ist bekannt geworden als der Monat, in dem Arbeiter in der DDR auf die Straße (17. Juni) gehen um für die Rücknahme von Normerhöhungen zu demonstrieren. Später wird man vom „Volksaufstand“ sprechen. Goldammer zeigt uns die Geschehnisse in Dresden etwas differenzierter, indem er Max Heller ab 18. Juni im Mord an einem Betriebsleiter ermitteln lässt. Das Politische kommt, wie immer, nicht zu kurz, wie immer, denn spätestens hier ist merkbar, dass Frank Goldammer sich ganz bestimmte herausragende Jahre vornimmt. Den Kontext zum JUNI 53 versucht in Teilen die Rezension zu erklären.

Mit Spannung erwarten wir Band 6. In VERLORENE ENGEL geht es um Vergewaltigung und Mord. Aber sind es wirklich desertierte Soldaten der Roten Armee gewesen? Hellers Familie scheint in den Strudel mit hinein zu geraten.

© Der Bücherjunge

(NZ – 14. Februar 2021 – UR)

Baum, Beate: Dresden rechts außen

 Ist es DAS Bild? Das Bild über Dresden? „Rechts Außen?“ Ist es das Bild bestimmter Medien, die allerdings in den letzten 30 Jahren genug Futter bekommen haben: Hoyerswerda, Sebnitz, Rostock…  Das sind nicht alle und doch sticht der „Osten“ heraus.

Doch wer sind diese „besorgten Bürger“ die da „spazieren gehen“, Montags, mit Transparenten, Schildern, Deutschlandfahnen und auf dem Theaterplatz „Lügenpresse!“ und „Merkel muss weg!“ skandieren und die mitteilen, sie wären „nicht Rechts!“ und auch „keine Nazis“. Inzwischen hat sich „Lügenpresse“ in „Systempresse“ gewandelt und überhaupt gipfelt der Sprachgebrauch und die Parolen in:

ABSAUFEN LASSEN!“ – Gemeint sind die Menschen auf den Schlauchbooten auf dem Mittelmeer, hin und her geschoben zwischen Libyen, Italien, Griechenland, Türkei…

Versuchte man noch das Gerede über die „schleichende Islamisierung“ des Abendlandes, als einen Ausdruck mangelnder Geschichtskenntnisse und schmalen Geschichtsbewusstseins eines nicht unerheblichen Teils der Kundgebungsteilnehmer abzutun, spätestens mit diesem „Absaufen lassen!“ (und anderen Parolen) ist jegliche Grenze für mich überschritten.

Für Beate Baum ist diese Grenze vermutlich ebenso überschritten. Die in Dresden wohnende gebürtige Dortmunderin hat in ihrem brandneuen Roman die regelmäßigen Kundgebungen von „BEDECHA“ – den „Bewahrern des christlichen Abendlandes“ – zum Ausgangspunkt einer weiteren Geschichte um das Journalistenpaar Kirsten Bertram und Andreas Rönn gemacht, die in HÄUSERKAMPF und WELTVERLOREN vor Jahren bereits in Litterae – Artesque besprochen wurden.

(mehr …)

Baum, Beate: Weltverloren

„Winter in Dresden. Journalistin Kirsten Bertram liegt im Krankenhaus. Dort lernt sie Marianne „Ännchen“ Kulka kennen, die von der Familie Erich Kästners abstammt und einer freikirchlichen Gemeinde angehört. Als Ännchen aus der Klinik entlassen wird, beschließt sie, ihr Leben radikal zu ändern. Sie schließt sich einer Initiative an, die im Namen Kästners den Ausbau der Königsbrücker Straße in der Dresdner Neustadt verhindern will. Doch dann wird ein Praktikant des Erich Kästner Museums ermordet und Ännchen ist die Hauptverdächtige. Kirsten ist hingegen von ihrer Unschuld überzeugt und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln … “ (Klappentext)

Erich Kästner kennt jeder. DAS DOPPELTE LOTTCHENEMIL´s Detektive, die Freundschaft von PÜNKTCHEN & ANTON, oder die vom KLASSENZIMMER, das fliegen kann. Die Autobiografie ALS ICH EIN KLEINER JUNGE WAR kennen schon nicht mehr so viele. Darin beschreibt Kästner seine Kindheit in der Dresdner Neustadt. Dort wurde er in der Königsbrücker Straße im Jahr 1899 geboren. Die Villa seines Onkels Augustin ist heute das Erich–Kästner–Museum und steht am Albertplatz, von dem die Königsbrücker Straße in den Dresdner Norden führt.

(mehr …)