Dresdner Heft 166 & Frank Goldammer kündigt an

Wenn eines der Dresdner Hefte des Dresdner Geschichtsvereins e.V. mit „Tatort Dresden“ überschrieben ist. dann greife ich natürlich zu. Dabei kommen die Herausgeber natürlich nicht um Bruno Ehrlicher und seinen Partner Kain herum:

Der Rollenname war Programm: Kommissar Ehrlicher verband ostdeutsche Bodenständigkeit und Erfahrung mit einem gerüttelten Maß an Umsicht und Glaubwürdigkeit. Die Figur war wohl auch deswegen so beliebt, weil sie erfolgreich durch die Untiefen eines teils prekären Umbruchs der 1990er-Jahre navigierte. Die Umbrüche im Dresdner Stadtbild waren fast in jeder Folge inklusive.“1

In dem Heft geht es um eine Reihe von realen Tatorten in Dresden, die Autoren beginnen 1724 mit einem spektakulären Fall und arbeiten sich sich durch bis zur Gründung der Soko Rex (Sonderkommission Rechtsextreminsmus) die 1991 beim LKA Sachsen gegründet wurde.

Mike Schmeitzner schreibt in „Wie Phönix aus der Asche?“ über die Dresdner Kripo und die Zeitenwende 1945. Dabei geht er auf die „Entnazifizierung“ ein, den nahezu kompletten Austausch des Polizeipersonals in Sachsen.

Der Austausch betraf nicht nur Polizisten mit vormaliger NSDAP-Mitgliedschaft, sondern auch Beamte, die der Staatspartei nicht angehört hatten. Nur in Ausnahmefällen konnten Polizisten weiter ihren dienstverrichten, wenn sie den Nachweis eines antifaschistischen Verhaltens im NS-Regime erbrachten.“2

Max Opitz, der frühere KPD-Reichstagsabgeordnete, war der neue Polizeipräsident, der die Polizei neu organisierte im Auftrag von KPD / SED und der Sowjetischen Militäradministration. Zu Beginn des Jahres 1946 waren im Dresdner Kriminalamt von 261 Mitarbeitern gerade 21 parteilos, hat Schmeitzner herausgefunden.

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Dresden (er)lesen 2026

Es ist bereits das zehnte Mal, dass auf Schloss Albrechtsberg, hoch über der Elbe bei Dresden, die kleine und feine Buch- und Verlagsmesse Dresden (er)lesen stattfand. Gleich hier ein Dank an Katharina Salomo, die es immer wieder schafft, am Tag des offenen Denkmals diese wunderschöne Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Natürlich war Litterae-Artesque wieder mit dabei.

Mit Carmen Rohrbach sprach ich über Reisen durch Patagonien und staunte über ihren Tripp allein durch den Jemen, mit Matthias Schildbach ging es um Kriegstagebücher und eine Idee zum Thema Königsstein, mit Jens Korch um Wannenbücher, mit Barbara Micklaw um Neues von Miarbilis, bei Thomas Zahn erinnerte ich mich an meinen Uropa, der Seilermeister war. Ich traf Patricia Holland Moritz und Frank Goldammer. Ein ausgiebiger Plausch mit Frank Eltsner zum Thema Liselotte Welskopf-Henrich musste sein.  Dann lauschte ich bei Lesungen Ulf Grossmann und Tankred Lerch und dann trof ich doch noch MissRose (Katja) zu einem Abschluss Capuccino. 

Einen Eindruck verschaffen vielleicht die drei folgenden Videos. Bis zum nächsten Mal.

Was war los?

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Goldammer, Frank: All Inclusive

Screenshot

Bereits zum zweiten mal begegnet uns so ein Hörbuch, ein Audible Original Thriller, aus der Feder von Frank Goldammer. Nach einer grusligen Wintergeschichte mit dem bezeichnendem Namen Eingeschneit begeben wir uns nun mit dem Autor in ein Urlaubsresort auf einer Isla de Español – irgendwo auf der Welt. Wir starten mit Luise, Monika (Mo), Valerie und Patricia. 

Doch das Paradies trügt. Erst verschwindet eine Urlauberin, dann ist plötzlich Valerie weg und Luise begreift: Hier geht es um Leben und Tod. Doch je tiefer sie gräbt, desto höher werden die Mauern des Schweigens. Hinter den Kulissen des scheinbar perfekten Ferienresorts verbirgt sich ein tödliches Geheimnis. Selbst der Polizei kann hier niemand trauen.

Ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt – werden alle lebend nach Hause zurückkehren? (audible)

Nur eine der vier unterschiedlichen Freundinnen aus Schul- und Kindertagen kann zur Lösung gleich mehrerer Vermisstenfälle beitragen, die einzige sympathische. Ein Frauenkrimi? Nicht unbedingt… Wie immer bei Goldammer, ist am Ende ein anderer der Täter. Oder sind es mehrere? 

Ein Sommerthriller in einer Hörlänge von 7 Stunden und 15 Minuten. Das reicht für einmal nach Dresden und zurück. Spannend, kurzweilig, gruslig. Typisch Goldammer, dem Schreibpausen vermutlich unangenehm sind.

Und Cluburlaub ist nichts für mich. 

©️ Bücherjunge

Goldammer, Frank: Strandopfer

Aus dem offiziellen Polizeibericht des deutschen Bundeskriminalamtes und der Komenda Wojewódzka Policji Szczecinie:

Sachverhalt:

Am Montag gegen 08:00 Uhr wurde am Hauptstrand von Misdroy (Wasserkante, fester Sand) die Leiche einer männlichen Person entdeckt. Die Identität wurde zweifelsfrei als Joachim Hundt (53), deutscher Staatsbürger, festgestellt. Das Opfer war lediglich mit einer dunklen, eng anliegenden Badehose bekleidet…

Todesursache: Ertrinken…

Fremdkörper: Polierter Bernstein (39g) im Rachen (Blockade der Atemwege)…

Traumata: Keine Anzeichen von Gewaltanwendung, keine Abwehrspuren oder Verletzungen im Mundraum…

Bewertung: Ein Unfall wird aufgrund der Platzierung des Bernsteins ausgeschlossen. Es besteht ein direkter Kausalzusammenhang mit der Entführung der zehnjährigen Luisa….“

Unterschrieben haben den Bericht Lena Schuldt vom deutschen BKA und Adam Krawczyk von der polnischen Polizei.

So steht es im „Offiziellen Polizeibericht“, den der Verlag zum Rezensionsexemplar gleich mit lieferte. Dafür und überhaupt schon mal lieben Dank und ein kleiner Tipp: Ich habe noch nie einen „Inoffiziellen Polizeibericht“ gesehen…

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Goldammer Frank: Die Bestie von Dresden

1883Im Dresdner Zoo ist ein Tiger ausgebrochen. Da sich der Zoo, dass sei für Goldammer-Leser, die noch nie in Dresden waren, eine Einladung, im Großen Garten befindet, könnte sich das Tier überall verstecken. Der Zoo bemüht einen noch nicht so sehr berühmten „Wildtierjäger“, der in aller Welt zu Hause zu sein scheint. Dessen erste große Reise liegt allerdings noch in weiter Ferne. Gustav Heller soll sich um den Fall kümmern.

Im Park findet sich dann die an einen Baum dilettantisch gebundene Leiche eines jungen Mannes, gar über zugerichtet. Ein klaffender Riss zieht sich über den Hals. „War das der Tiger?“ fragt sich Kriminalassistent  Schrumm, während sein Chef lakonisch erwidert: „Ich bezweifle, dass er ihn an den Baum gebunden hat.“

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EVITA – Staatsoperette Dresden

Ob diese Grande Dame Argentina weltweit so bekannt wäre wie in Buenos Aires und im übrigen Argentinien ohne das Musical (1978) von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice kann nur spekulativ beantwortet werden. Sicher ist, dass der Film von Alan Parker (1996) mit Madonna in der Hauptrolle der EVITA und Antonio Banderas (Che) zur Bekanntheit der Eva Peron sicher beigetragen hat. 

Erwähnenswert ist, dass durch diesen Film Webber und Rice für den Song  You Must Love Me einen Oskar erhielten. Es ist die Musik, die den Stoff in die Welt trägt, denn wer kennt Don´t Cry For Me Argentina nicht?

Die Staatsoperette hat Evita derzeit im Spielplan und am Ostersonnntagnachmittag ist die Spielstätte voll besetzt. Auf der Bühne ein Sarg, auf dem ein Mädchen barfuß im unscheinbaren Kleidchen sitzt und mit der Hand über den Deckel streicht. Im Hintergrund groß im Bild Maria Eva Duarte de Perón (1919 – 1952). Die Inszenierung ist von Harold Prince und in den Hautrollen sehen wir als Evita Sybille LambrichMarcus Günzel als Juan Peron und Gero Wendorff als Che. Gespielt und gesungen wird in großer Besetzung, Chor, einschließlich Kinderchor, und Ballett haben viel zu tun – Es ist ein Musical und das lebt von Bewegung. 

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Goldammer, Frank: Eingeschneit – Flieh wenn du kannst

Was als besinnlicher Weihnachtsurlaub unter alten Freunden beginnt, wird zum Albtraum im Schnee.

Ein abgelegenes Ferienhaus, gutes Essen, Musik aus der Jugend – endlich wieder unbeschwerte Tage, fern von Familie und Verpflichtungen. Doch als einer von ihnen tot aufgefunden wird, erlischt die festliche Stimmung mit einem Schlag.

Was bleibt, sind Misstrauen und alte Wunden, die nie ganz verheilt sind. Unter der Oberfläche brodeln Neid, Enttäuschung und verpasste Chancen. Und als ein zweiter Todesfall die Gruppe erschüttert, wird klar: Die Gefahr lauert nicht draußen im Wintersturm – sie sitzt mit am Tisch.

Aus Freunden werden Feinde, aus Erinnerungen werden Beweise. Und während draußen der Schnee leise fällt, beginnt drinnen ein tödliches Spiel um Wahrheit, Schuld – und Rache. 

Klappentext. Mehr kann man eigentlich nicht sagen oder schreiben. Oder doch?

  • audible / ASIN ‏ : ‎ B0FZCMJXHG / 12.11.25 / 6 h 25 min 

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Baum, Beate: Kunstgerecht (Kirsten-Bertram 10)

Beate Baum, die sich selbst als Reisejournalistin bezeichnet und eine ausgesprochene Kennerin der Inseln jenseits des Ärmelkanal ist, hat da noch ein zweites Standbein, welches in diesem Jahr gleich zum zehnten Mal hoffentlich nicht nur die Herzen ihrer Stammleser erreichen wird. Kirsten Bertram ist wieder da, ein bißchen das Alter Ego der Autorin. Auch wenn ein paar biografische Details übereinstimmen, Kirsten ist Kirsten und Beate ist Beate, gelegentlich allerdings Viktoria. 

Besagte Kirsten Bertram kommt etwas in die Jahre. Eben war sie noch etwas über 30 (Auf Sendung – KB 1) nun schon jenseits der 50. Ihre Radleistung kreuz und quer durch Dresden kannn sich sehen lassen, gefühlt herrscht im Sommer von KUNSTGERECHT genau die Hitze, die draußen zu finden ist.

Diesmal geht es um Kunst, genauer um einen Maler, der sich nach seinem Geburtsort Zwönitz benannt hat. Berühmt geworden und natürlich egozentrisch. Dessen Privatassistent ist gerade ins Jenseits geholt  und Kirsten Bertram durch ihren Freund Viktor auf den Fall aufmerksam gemacht wurden. Existiert da ein Jugendgemälde, welches die einstige Geliebte eventuell verkaufen möchte? Doch erst einmal wird die Frau des Assistenten im eigenen Haus, kurz nach der Beisetzung des Verstorbenen, erschlagen. Der Viktor war in der Nähe und nun hat er eine Unterkunft im Hammerweg (U-Haft) bezogen.

Auch Andreas, Kirstens Mann, musst einziehen, allerdings in die Klinik und anschließend in die Reha. Dem rastlosen Investigativjournalisten passt das gar nicht, er ist mal wieder rechten Strukturen und Gruppen auf der Spur und nun zum Stillhalten gezwungen. 

Beate Baum hat das berühmte Verhältnis der beiden zu Dale Ingram erst einmal mit Dale in dessen Heimat USA verlagert. Dummerweise ist der nun mit Franziska liiert und damit fällt die polizeiliche Quelle für Kirsten aus, die sie wegen des armen Viktor anzapfen könnte. Der ermittelnde Kommissar hat für ihre Anliegen wenig Gehör…

In Schandau wird es gefährlich, aber mehr wird nicht verraten….

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Mohr, Francis: Gnadentod

 

„Die Zeit rennt. Denn schon wieder ist ein Mensch gestorben. Die Angst geht um am Rande der Stadt. Eine mysteriöse Todesserie erschüttert die Sonnen-Klinik. Wann erwischt es den nächsten Patienten? Kommissar Kafka ermittelt – und zweifelt bald schon an seinem Verstand. Da gibt es ein neues Opfer.“ (Buchrücken) …“

Das ist Stoff für einen vermutlich schon x-mal geschriebenen Roman und diverse TV-Krimis. Entweder Rache als Motiv oder assistierter Freitod oder eben Gnadentod… Doch dieser Kommissar mit dem bezeichnenden Namen Kafka, den er aus begreiflichen Gründen auch mal verleugnet, muss weit über seinen Ermittlungsansatz hinaus. Eines Abends auf dunkler Straße hat er eine Autopanne. Es begegnen ihm mehrere Busse. Auf der Suche nach Hilfe soll er sich ausweisen. 

„Polizeidienstausweis Freistaat Sachsen. Kriminalhauptkommissar Josef Kafka… Noch nie gesehen. Das Foto von Ihnen ist sogar in Farbe. Sind das neue Papiere?… Unsere Polizei hat lediglich Metallmarken.“ 

Kafka hält die Kolonne für eine Oldtimerparade.

„Das ist eigenartig. Dem Papier fehlt das Hakenkreuz. Das Deutsche Reich ist doch nach Gauen eingeteilt, oder?“ (Seite 15)

Da rennt Johann aus den Bussen in den Wald, die Betreuer oder Bewacher hinterher, was sind das für Leute? 

Von Sachsen führt der Weg ins Sudetenland, nach Berlin, die plötzlich Reichshauptstadt heißt und auf den Pirnaer Sonnenstein…

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Dresdner Geschichtsbuch 7

  • Die Burg unter dem Dresdner Schloss – Neue Erkenntnisse (Archäologie)
  • Weichbild und Weichbildsteine von Dresden (Stadttopographie)
  • Leubnitz-Neuostra Klosterhof, Doppelort, Stadtteil (Stadtteilgeschichte)
  • „…von Ihro Hoheit, oder, wie er sonst genennet worden…“ (Gartenarchitektur)
  • Prof. Dr. Otto Richter (Geschichtsforscher)
  • Eine Dresdner Schlosserfirma und ihre Sammlung (Wirtschaft und Kunstgewerbe)
  • Die Dresdner Stadtverwaltung von 1873 – 1918 (Verwaltungsgeschichte)
  • Die Kamera- und Photoindustrie von den zwanziger Jahren bis zur Wende (Wirtschaftsgeschichte)
  • Oberbürgermeister: Hans Nieland… (Personen)
  • Caspar David Friedrichs – Landschaftszyklus (Dokumentation)
  • Zur Geschichte der Zeitbestimmung und Zeitabgabe (Dokumentation)
  • Die Vereinigten Eschebachschen Werke Radeberg (Dokumentation)

Im 250sten Jahr der Geburt von Caspar David Friedrichs passt der Hinweis auf diesen Artikel. Die hier im „Landschaftszyklus aus dem Plauenschen Grund vorgestellten drei Gouaschen  waren lange als Kriegskunst verschollen. Im Jahr 2001 kehrten die Bilder ins Stadtmuseum Dresden zurück. Vier Bilder sind es insgesamt:

Die Königsmühle im Plauenschen Grund / Die Neumühle / Die Pulvermühle und die Glashütte in Potschappel. Alle Bilder entstanden um 102/1803

 

Fotoblick in den Plauenschen Grund / © UR

 

  • DNB / DZA – Verlag / Stadtmuseum Dresden 2007 / ISBN: 978-3-936300-43-7 / 288 Seiten

© Dresdner Bücherjunge, NZ, 17.10.2024