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Goldammer, Frank: Im Schatten der Wende

Team Ost – West im neuen KKD, dem Kriminaldauerdienst

Frank Goldammer hat vor kurzem seinen Max Heller in den polizeilichen Ruhestand geschickt. Der war ja auch schon sechzig Jahre alt. Da wurde notwendig, für einen neuen Roman eine andere Zeit zu wählen, andere Polizisten einzuführen. Natürlich bleibt alles in Dresden. Tobias Falck heißt der Neue und in Leipzig steht er 1989 mit anderen grünuniformierten und weißbehelmten Genossen in einer Reihe. Vor ihnen ein „konterrevolutionärer Auflauf“ hunderter, tausender Menschen. Oder ist das doch nicht die Konterrevolution?

Wir befinden uns IM SCHATTEN DER WENDE. Jedoch führt uns Frank Goldammer erst einmal ein Jahr zurück, in das Jahr 1988. Der Obermeister der VP (für den höchsten Dienstgrad des mittleren Dienstes ist Tobias eigentlich zu jung) hat den Auftrag, einen ABV (Abschnittsbevollmächtigten) in der Dresdner Neustadt aufzusuchen, warum, weiß er noch nicht. Doch er kommt zu spät, der Leutnant ist gerade eben über das Treppengeländer vor seiner Behausung gestürzt. Für Falck ergibt sich daraus plötzlich ein verdeckter Einsatz, wozu er eine schäbige Wohnung bezieht. Zeit hat er, denn seine Verlobte hat ihm gerade den Laufpass gegeben.

Insgesamt scheint er sich zu bewähren und nach dem Einsatz in Leipzig darf er im nächsten Jahr nach Aschersleben, die Polizeischule. Nach sehr kurzem (!) Lehrgang kehrt er im Winter 1989, nunmehr Leutnant der VP, zur Kripo zurück. Inzwischen ist es Herbst geworden. Jetzt gibt es was Neues in der Kripo, das nennt sich Kriminaldauerdienst. Dort trifft er auf einen Herrn Hauptmann Schmidt und eine Frau Leutnant Bach. Beide lernte er schon im Fall des Ermordeten (?) ABV´s kennen.

Plötzlich bekommen sie Besuch. Eine Hauptkommissarin aus dem Westen. Die sucht einen Auftragskiller. Einen was? Irgendwie soll man sich gegenseitig unterstützen. Die Arbeitsweisen sind gar unterschiedlich… Immer wieder spielt irgendwie der Fall des toten ABV eine Rolle.

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Günther, Ralf: Arzt der Hoffnung

Es war Zufall, schreibt mir der Autor, dass der Stoff dieses Buches bereits konzipiert war, als eine tatsächliche Pandemie begann, sich über dem Erdball auszubreiten.

Ralf Günter schreibt:

„Den Roman über das letzte große Auftreten der Cholera in Europa schrieb ich gewissermaßen an den aktuellen Ereignissen entlang, ein Teil entstand in Quarantäne und die geplante Recherchereise nach Hamburg fiel aus.“ (Seite 309)

Selten schafft es ein historischer Roman derartig aktuell zu sein. Aktuell auch deshalb, weil, seit der Direktor des Robert-Koch-Institutes regelmäßig auf Pressekonferenzen im TV zu sehen und hören ist, der Name der im Roman Arzt der Hoffnung handelnden Hauptfigur in aller Munde ist. Das RKI teilt mit… Und schon ist Robert Koch, zumindest dessen Name wieder präsent.

Robert Koch (1843 – 1910) , Begründer der modernen Bakteriologie, wies den Milzbrand Bazillus als Krankheitserreger nach, entdeckte 1882 den Tuberkulosebazillus und 1883 den Choleraerreger.. von 1891 bis 1901 leitete er das Institut für Infektionskrankheiten. So steht es im Lexikon.

Mit dem Tuberkulosebazillus wurde er weltberühmt, mit der Cholera legte er wohl den Grundstein der Epidemiologie, hatte er den Erreger doch in Ägypten und Indien an Ausgangs- und Verbreitungsorten direkt untersucht.

Und nun befindet sich das Komma-Bazillus also in Hamburg. Wir schreiben das Jahr 1892.

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GÜNTHER, Ralf: Der Dieb von Dresden

Pretiosen für die Spionage.

So habe ich die Rezension zu Ralf Günthers Buch überschrieben.  Das war im April 2012.
Da mir nun sein Roman Der Leibarzt in die Finger kam, will ich hier die erste Rezension, die zuerst auf buchgesichter.de erschien, niemandem vorenthalten. Hinzukommt, dass es am 25. November 2019 ein dreister Einbruch in das Grüne Gewölbe stattfand, bei dem über 4300 Brillanten und Diamanten in sogenannten Garnituren geraubt.

Mit diesem Buch habe ich schon länger geliebäugelt. Nun schon vor Wochen war es in einem Paket voller lieber gedruckter Gaben. Es ist ein historischer Roman, er spielt in Dresden, handelt von den Kunstschätzen im Grünen Gewölbe – was will man mehr.

Zum Inhalt:
NAPOLEONs Grand Armee ist von ihrem misslungenen Russlandfeldzug zurück. Nach und nach fallen die Verbündeten von ihm ab. Im Moment steht der sächsische König Friedrich August (sowieso „nur“ König Gnaden von L’ empereur) noch zu ihm.

In dieser Zeit wird Hofrat Baron von BLOCK beschuldigt, seinen Vizeinspekteur im Grünen Gewölbe ermordet zu haben. Dieser soll ihn beschuldigt haben, mehr als 300 Stück Pretiosen aus der königlichen Schatzkammer abgezweigt zu haben. Nebenbei ist besagter BLOCK auch noch Anhänger des Franzosenkaisers. Im Gegensatz zu seiner Tochter ARIANE.

Just in diesem Zeitraum kommt Ernst Theodor Wilhelm  HOFFMANN nach Dresden. Der ziemlich versoffene künstlerische Tausendsassa will als Musikdirektor in eine Kapelle eines gewissen SECONDA einsteigen. Er braucht Geld. Für Wein, für Essen, für seine verletzte Frau und überhaupt. Das W ist nicht etwa falsch, er hat es gegen das A wegen seiner Verehrung für W.A.M. eingetauscht. Der Zufall will es, dass der musikalische Dichter bzw. der dichtende Komponist, der auch ein ganz passabler Jurist sowie Musikkritiker, Zeichner und Karikaturist ist, dem Fräulein Baroness von BLOCK Klavier- und Gesangsunterricht erteilen soll. Da er wie gesagt Jurist ist, hängt er sich in den Fall BLOCK rein, welcher sich zu einem völlig unübersichtlichen und geheimnisvollen Fall entwickelt, der auch ein riesiger Fall von Spionage ist.

Welche Rolle spielt dabei v. HIPPEL, der preußische Freund HOFFMANNS? Oder Madame de BARRY, die die französische Revolutionsblutmaschine namens Guillotine gleich zweimal überlebte? Ist der Baron nun ein Dieb, kein Dieb aber dafür ein Mörder? Oder gar nichts der gleichen? Ganz nebenbei lernen wir auch noch den Namensgeber der Medizinischen Akademie zu Dresden, Carl Gustav  CARUS kennen. Und diverse andere Leute…

Es ist der Vorabend der Völkerschlacht bei Leipzig…
Die Dresdner gehen zwischen den Kämpfen und Schlachten draußen vor der Stadt auch schon mal ins Theater und amüsieren sich. Aber die bekannten Plätze werden eines Tages voll sein von verwundeten und verstümmelten und toten Soldaten aller Herren Länder.

Das Buch: 
Wir haben hier einen spannenden, kurzweiligen historischen Roman vor uns liegen, dessen Hauptfiguren auch historische Personen sind. Den BLOCK gab es und von E.T.A. HOFFMANN hat auch schon jeder gehört. Wenn nicht, dann vielleicht von OFFENBACH. Der hat nämlich eine Oper, HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN geschrieben. Wir können mit den Figuren mitfiebern und haben ziemliche Schwierigkeiten, den Spionagefall vor dessen Auflösung zu entwirren. Mir zumindest ist es nicht gelungen. Der Dresdner oder die Dresdnerin unter den Lesern bewegt sich zwischen den Seiten wie auf bekannten und unbekannten Wegen seiner Stadt.

Sprache und Stil entsprechen vermutlich der beschriebenen Zeit, Ein gewisser Wahrheitsgehalt ist ebenfalls vorhanden. Im Nachwort schreibt der Autor, dass der Hofrat BLOCK wirklich eines Diebstahls bezichtigt wurde und auch Hoffmann befand sich zu dieser Zeit in Dresden.

Für jeden Dresdner und auch für jeden Nicht-Dresdner wärmstens zu empfehlen. Am Ende muss man dann nur noch eine Biografie von E.T.W. Hoffmann lesen. Wenn einem Wicki nicht genügt.

Der Autor:
Ralf Günther wurde 1967 in Köln geboren.  Er hat Theater-, Film-, und Fernsehwissenschaft, Germanistik
und Pädagogik studiert. Seit 1993 ist er freier Schriftsteller. Im selben Jahr ist er auch mit seiner Familie nach Dresden gezogen. Nach einem Aufenthalt in Hamburg lebt er wieder in der Nähe von Dresden.

  • Ralf Günthers im Internet
  • Ralf Günther in der DNB
  • Ralf Günther in wikipedia
  • DNB / LIST / Berlin 2009 / ISBN: 978-3-548-60906-5 / 460 Seiten
  • auf Litterae-Artesque am 28.12.2013 veröffentlicht

 

© Bücherjunge (NZ, 21.03.2022)

Baum, Beate: Niemand kennt dich, wenn du am Boden liegst

Welch langer Titel für einen relativ kurzen Roman. „Musikerroman“ steht unter dem Titel. Musikerroman? Ein Blick auf die Webseite der Autorin offenbart sogar eine eigenen Rubrik für dieses Genre. 

Um was geht es? Die Band The Distant Stars mit dem schottischen Frontman Tim Cantely spielt zu Beginn auf den Elbwiesen. Das ist schon mal eine Konzertadresse, haben die Musiker doch die brühlsche Terrasse mit der barocken Kulisse der Dresdner Altstadt im Rücken. Dem Konzert lauschen Ines und Kevin, Bruder und Schwester, begeistert nicht nur von der Band sondern vor allem von den Soli des Gitarristen John Raymond. Wer jetzt schon auf die Webseite unter Musikerromane geschaut hat, findet dort auch die Ballade Ines und John, womit klar ist, die beiden sind verbandelt.

Das Konzert endet mit Stress, denn 23 Uhr hat Ruhe zu sein. (Das wusste ich noch gar nicht…) Als nächste Station steht Dortmund auf dem Programm, wen wundert´s, bei der Biografie der Wahldresdnerin Beate Baum. Bevor wir uns nach Dortmund bewegen, besuchen wir erst mal die Szenekneipe Planwirtschaft.

In Dortmund soll The Distant Stars als Vorband für Eric Clapton auftreten, was schwierig wird, denn dieser Cantely hat vor allem ein Problem, er bevorzugt nämlich zur Vorbereitung seiner Auftritte Mittel, wegen denen man mit der Polizei in Kontakt kommen kann. Tim Cantely allerdings wird gleich noch verhaftet. Mordverdacht. Für das Clapton-Konzert springt Kevin ein, das geht natürlich auch schief, der hatte was in der Cola.

Das ist der Stoff des Romans, der offenbart, dass Beate Baum nicht nur musische Interessen offenbart, sondern auch diverse Kenntnisse zu H und anderen Substanzen.

Die Handlung wird dann weiter nach England verlegt, diese Ines, deren eigentliche Profession Krankenschwester ist, muss dort als solche ran. Außerdem studiert sie ja in Loverpool an der LIPA. Liverpool Institute for Perfoming Arts.

Ob die Band auseinanderbricht? Was hat es mit dem Physiotherapeuten von Borussia Dortmund und dessen Biene Maja Uhr auf sich? Wohin entwickelt sich das Katz- und Maus-Spiel mit der Dortmunder Hauptkommissarin?

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Brühl, Christine von: Schwäne in Weiß und Gold

Erst vor kurzem behauptete ich hier, dass es Bücher gibt, die einen ins Museum treiben. Bei diesem Post ging es um Bilder, die mich sicher und endlich wieder einmal in die Gemäldegalerie Alte Meister bringen werden. An anderer Stelle waren es das Grüne Gewölbe, die Dresdner Schatzkammer. Auf der Suche nach des Dinglingers Meisterwerken, auf die Spur gesetzt von Kurt Arnold Findeisen. Ein völlig anderes Ding war eine Ausstellung im Albertinum, die vor einigen Jahren Skulpturen von Indianern zeigten, die das Vatikanische Museum an die Elbe ausgeliehen hatte. Schon wieder liegt ein Buch vor mir, dass eine ähnliche Wirkung haben wird: ich besuche irgendwann im Sommer sicherlich die Dresdner Porzellansammlung in es geht um das sogenannte Schwanenservice um die Schwäne in Weiß und Gold. Auch wenn es nicht mehr vollständig ist, die etwas über dreißig Teile, die die Familie Brühl dahin auslieh vor Jahrzehnten, sind glücklicherweise erhalten geblieben, auch die Formen gibt es im Lager der bekannten Meißner Manufaktur noch. Damit ist der Name gefallen, um den es geht: Brühl. Christine von Brühl , eine Nachfahrin des Grafen Heinrich von Brühl schreibt sich die Familiengeschichte von der Seele und das hat seinen Grund.

Brühl. Man lernt den Namen schon als ganz junger Dresdner, wenn man über den Balkon Europas läuft, denn der heißt die Brühlschen Terrassen. Eigentlich ist kaum noch etwas so, wie es zu Brühls Zeiten (1700 – 1763) aussah, daran hat ein Preuße, den man auch den Großen nennt, durchaus einigen Anteil.

Es ist die Zeit August des Starken, Kurfürst von Sachsen, später auch König von Polen, an dessen Hof wird dieser Heinrich als Page eingestellt und bald unentbehrlich. Auf dem Zeithainer Lager, einem gewaltigen „Lustmanöver“ an der Elbe, zieht sich Heinrich das Wohlwollen des preußischen Soldatenkönigs und den Hass dessen Thronfolgers zu. Doch bevor der dahingehend ausbricht, dass die Gebäude des Grafen auf dem Balkon Europas im siebenjährigen Krieg geschleift werden, vergehen noch einige Jahre. Nach des Starken Augusts Tod dient Heinrich von Brühl dessen Sohn und wirkt dadurch maßgeblich an der immensen Kunstsammlung mit, die der Kurfürst anlegt.

Als erster Minister muss er präsentieren, schreibt seine Nachfahrin. Daher sind es nicht nur persönliche Interessen, die Heinrich zum Erwerb des Gutes Pförten (poln. Brody in der Nähe von Forst) veranlassen: Schließlich braucht der polnische König auf der Reise nach Krakau oder Warschau angemessene Zwischenstationen. Ähnliches gilt für die weiß-goldenen Schwäne aus Meißen, es galt schließlich standesgemäß zu tafeln. Zudem hat Heinrich, nachdem Tschirnhaus und Böttger die Porzellan-Herstellung zur Meisterschaft gebracht hatten, erheblichen Anteil an der Entwicklung der Meißner Manufaktur, deren Direktor er wurde.

Das „Brühlsche Schwanenservice“ nannte Johann Joachim Kändler (1706-1776) das Kunstwerk, das über dreitausend Einzelstücke, es wird auch bis zu sechstausend gesprochen, hatte. Große und kleine Teller, Unter- oder Kaffeetassen, Wermutbecher, Schüsseln, Leuchter, Saucieren, Wärmeglocken, Gewürzständern, Zuckerdosen, Salznäpfe, Assietten, Milchkummen, Schwenkkessel, Blumenvasen, Wandapplikationen, Gläserkühler, Flaschenhalter und vieles mehr.

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Lockung des Lebens – Kurt Arnold Findeisen

    

Vor vielen Jahren, davon schon mehrfach die Rede bei den Buchgesichtern und in den Blogs, begeisterten mich die Bücher des Kurt Arnold Findeisen. Dies begann mir DER GOLDENE REITER UND SEIN VERHÄNGNIS (► hier) und setzte sich fort mit FLÜGEL DER MORGENRÖTE (► hier)

Vor einigen Wochen konnte ich die Findeisen-Bibliothek vervollständigen. Dazu später einmal mehr, hier soll es um ein kleines schmales Büchlein aus dem Jahre 1924 gehen. Es heißt LOCKUNG DES LEBENS, aber weder Titel noch Titelbild lassen den Leser erahnen, dass hier ein sehr musisches Buch vor ihm liegt: Drei Geschichten auf sechsundfünfzig Seiten erzählen von drei großen Komponisten.

Im Musikunterricht haben wir doch alle mal vom Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach gehört, die „Bachin“, Gemahlin des Thomaskantors Johann Sebastian Bach, steht im Mittelpunkt und dieses ihr gewidmete Notenbüchlein. Die moderne Zeit macht es möglich, beim Lesen der kleinen Textauszüge gleich auf YouTube mitzuhören. Lustig sind die kleinen Gespräche der Mutter mit ihren Kindern, dem Friedemann Bach zum Beispiel und die Erläuterungen, welchen man andererseits nur voll folgen kann, wenn einem ein bisschen Musiktheorie mitgegeben wurde.

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Über das Verbrennen von Büchern

Über das Verbrennen von Büchern berichtet unter #weiterlesen: Das Literaturnetz Dresden. Es geht um die doppelte Bücherverbrennung, über die sich im folgenden Beitrag der Redaktuer Oliver Reinhard und der Historiker Mike Schmeitzner austauschen.  Die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten ist meist mit dem 10. März verbunden. An diesem Tag brannten auch Bücher auf der Dresdner Räcknitzhöhe, an einem Ort meiner Kindheit. Jedoch gibt es ein weiteres Datum, das in Dresden interessant ist, das ist der 8. März, an dem schon Bücher brannten am Wettiner Platz…

 

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Haupt, Klaus-Werner: Francesco Algarotti

Gelehrter – Connaisseur – Poet

Mit Buch ins Museum. In eine Kunstausstellung. Ja, das habe ich schon mal getan. Einmal, das war im Jahr 2013, besuchte ich mit dem Buch zur Ausstellung das Albertinum. Dabei ging es um „Indianer aus dem Vatikan“. Dem heutigen Thema etwas näher, auch räumlich, war das zweite Mal, denn ich nahm Findeisens „Goldenen Reiter“ mit in das Grüne Gewölbe im Dresdner Schloss, auf der Suche nach den Kunstwerken des Johann Melchior Dinglinger. Das hier heute zu besprechende Buch wird mich wohl in die Gemäldegalerie alte Meister im Dresdner Zwinger führen, unbedingt zum Schokoladenmädchen, weil ich am Original sehen , wie sich die Fenster im Wasserglas spiegeln und den Faltenwurf der Schürze bewundern möchte. Oben steht was von einem F. Algarotti, doch der ist der Maler des Bildes nicht, er hat es „beschafft“, „vermittelt“, „ersteigert“ und noch mehr von Schweizer Maler Jean-Étienne Liotard, dem er gleichermaßen ein Porträt von sich selbst verdankt.

Francesco Algarotti

Gehört hatte ich von diesem Venezianer, Francesco Graf von Algarotti (1712 – 1764) noch nie, wohl aber von drei bekannten Größen des 18. Jahrhunderts. Da wären in Sachsen zwei und in Preußen einer (neben anderen) zu nennen: Friedrich August II., Kurfürst von Sachsen, als August III. König von Polen und dessen Premierminister, Heinrich Graf von Brühl. In Preußen deren Widersacher: Friedrich der Große.

Vor allem hat er für seine Auftraggeber, als Gönner zeigt sich höchstens der Große Friedrich, Bilder beschafft. Für den August ganze Sammlungen, zum Beispiel die eines Herzogs von Modena. Es müssen hunderte Gemälde gewesen sein, für die der Kurfürst und König seinen Premier das Geld und eine ganze Kompanie reisender Kunstsammler die Gemälde beschaffen lies.

Doch dieser Algarotti war noch mehr, zum Beispiel ein glühender Anhänger Isaac Newtons. Er vollzog einige optische Experimente des großen Engländers nach, schrieb auch darüber. Sein „Newtonianismo per la Dame ovvero dialogo sopra la luce e i colori“ wurde Jahrzehnte später von Goethe besprochen, der sich ja auch mit Farbenlehre beschäftigte, aber diesen „Newtonianismus für die Damen oder Dialog über das Licht und die Farben“ verriss.

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Eine Kiste Pappen

Ein Mädchen irrt durch Dresden. Es hat seine Mutter begleitet, die auf die Entbindung eines weiteren Geschwisterchen wartet. Nur in der großen Stadt, hofft der Vater, kann seiner Frau geholfen werden. Um 1890 dauert es noch, bis man in Dresden ankommt mit dem Pferdewagen. Jetzt schickt die Mutter das Mädchen zurück. Es ist Weihnachten…

Ralf Günther und seine Weihnachtsgeschichten

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