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Goldammer, Frank: Roter Rabe

Vierzehn Tage ohne Karin Heller

Zum vierten Mal ermittelt Max Heller im Nachkriegs-Dresden. Es ist das Jahr 1951. Der Kalte Krieg entwickelt sich. Im Erzgebirge wird Uranerz abgebaut. Die Welt hat Angst vor der Atombombe. Eine Reihe von Morden beschäftigt den Kriminalisten und seine beiden Mitarbeiter. Doch die Geheimdienste, der sowjetische sowie das MfS, blockieren die Ermittlungen. Außerdem gibt es Gerüchte über einen amerikanischen Agenten, den „Amerikaner“, den die Russen „Roter Rabe“ nennen. Mit der Zeit entsteht der Eindruck, dass damit auch ein Überläufer gemeint sein könnte. Oder gar ein Doppelagent?

Soeben kommt Heller mit Frau Karin und Ziehtochter Annie vom Ostseeurlaub zurück, den er für seine Arbeit erhalten hat. Gleich anschließend darf Karin zu Erwin, ihrem jüngsten Sohn in den Westen fahren. (Das sollte 1951 an sich kein Problem gewesen sein, die Grenzen offen – aber als Frau eines Kriminalpolizisten brauchte sie vermutlich die Genehmigung). Vierzehn Tage soll sie fahren. In diese zwei Wochen fallen diese Ermittlungen.

Sie sind alles andere als einfach. Nicht nur wegen der Geheimdienste, auch Hellers Chef versucht den Ermittler immer wieder aufzuhalten. Sein Mitarbeiter Werner Oldenbusch wird eines Tages zur Vernehmung geholt…

Der Roman ist wirklich spannend aber äußerst undurchsichtig. Die Morde lassen kaum Zusammenhänge erkennen. Da sterben einige Zeugen Jehovas, zwei Ingenieure nach einem Anschlag auf das Kraftwerk Mitte in Dresden, ein Häftling in Bautzen…

Da ist Alexej Saizev, den Lesern bereits bekannt seit der Angstmann den Dresdnern Sorgen bereitete. Alexej vom sowjetischen Geheimdienst, ist ein junger Mann von 25 Jahren, Max und er hegen füreinander Respekt, seit Max dem damals jungen hassenden Kommissar im Jahr 1945 offen und unnachgiebig gegenüber trat. Hat Saizev, inzwischen drogen- und alkoholabhängig, was mit der Suche nach dem „Amerikaner“ zu tun? Wer ist die junge Frau in seiner Wohnung, die meint, sie würde ein „richtiges Leben“ führen? Immer wieder läuft ihm der Russe über den Weg bis zum Schluss…
Wir fühlen das Ende nicht nur wegen abnehmender Seitenzahlen kommen und sind doch überrascht, wenn Max Heller und die Leser den roten Raben kennen lernen. Eine Figur, die man sich so kaum vorstellen kann.

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Goldammer, Frank: Vergessene Seelen

Max Heller – Band 3

Max Heller ist wieder da und ermittelt im Jahr 1948 in Dresden. Ungefähr 50 Jahre alt, hat er nun zwei Kriege miterlebt, den ersten davon auch als Soldat. Max Heller ist Kriminalpolizist. Er ermittelte den ANGSTMANN in Dresden in den Jahren 1944 und 1945, er ermittelte zwischen TAUSEND TEUFELN im Jahr 1947 und nun ermittelt er auch im Jahr 1948 zwischen VERGESSENEN SEELEN.

Max hat wohl Schwein gehabt, könnte man sagen. Beide Söhne überlebten den Krieg, seine Frau und er verloren zwar alles Hab und Gut in der Bombennacht vom 12. zum 13. Februar 1945, aber sie leben bei Frau Marquardt auf dem Weißen Hirsch. Sie haben „Nachwuchs“ bekommen: Das kleine Mädchen Anni, wir lernten es in den TAUSEND TEUFELN kennen sagt Mutti und Vati zu Karin und Max. Wie ihre neuen Eltern hat Anni zu viel erlebt und das in ihren jungen Jahren. Doch können Kathrin und Max die Kleine behalten?

Sohn Erwin lebt in den Westzonen. Pakete kommen mit raren Artikeln über Schweden, die Päckchen werden wohl seltener geöffnet. Schon 1948 wird deutlich, da entwickelt sich was auseinander und „DEUTSCHLAND EINIG VATERLAND“ ist wohl schon vorbei, bevor diese Worte zur Hymne des östlichen Teils werden. Erwin schickt plötzlich Geld und es geht das Gerücht, dass im Westen eine Währungumstellung geplant ist: Der Anfang der deutschen Teilung?
Klaus, der ältere Bruder von Erwin ist in Dresden geblieben. Wie haben sich die Eltern gefreut, als er vor ihnen stand. Klaus geht auch zur Polizei, jedoch ermittelt er nun politisch. Kommt er seinem Vater in die Quere?

Es gibt eine Reihe von Toten im Süden Dresdens. Da liegt ein Rangierer der Eisenbahn auf den Schienen unterhalb des Hohen Steins, an einer Stelle, wo es gar nichts zu rangieren gibt. Ein anderer Kriegsheimkehrer steckt in einem Loch auf einer Baustelle – ebenfalls tot. Ein dritter Kriegsheimkehrer säuft und verdrischt regelmäßig seine Frau und seine zwei älteren Söhne – nur den Kleineren lässt er in Ruhe. Warum? Der nächste Tote ist der große Sohn. Was hat der angestellt? Was ist das für eine Bande von Jugendlichen, die auf die Oberschule oberhalb der Bienertmühle gehen? Und warum nimmt der Mittlere Pervitin?Hat der Sohn des Rangierers an einem Blindgänger nahe der Russisch – Orthodoxen Kirche gespielt oder wurde er in dessen Nähe ermordet?
Die Lage ist völlig unklar – und man muss schon bis zum Ende lesen, wenn man die Lösung erfahren will – Nichts ist am Ende, wie es scheint.

Soviel zur Handlung, deren Ausgang natürlich nicht verraten wird. 

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Goldammer, Frank: Tausend Teufel

 

Max Heller – Band 2Dresden 1947. 
Ein klirrend kalter Nachkriegswinter. 
Grausame Morde in einer besetzten Stadt.

Max Heller wird weiterhin gebraucht. Der Soldat des 1. Weltkrieges und danach Polizist, ist auch heute noch dabei: Bei der Volkspolizei. Im Jahr 1945 suchte er den Angstmann und verschaffte sich dabei Respekt bei denen, die in der sowjetischen Besatzungszone das Sagen hatten: den Chefs der Roten Armee und auch dem NKWD – (Народный комиссариат внутренних дел dem Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (aus dem wurde 1954 der KGB gebildet).

Im Jahr 1947 sind das General Medvedev und Oberst Ovtscharov.

Zwischen Hunger und Kälte, wartend auf Sohn Klaus, der aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft demnächst heimkehren soll, ermittelt Max zum Tod bisher zweier sowjetischer Offiziere. Eine Leiche findet man auf der Bautzener Straße, schnellstens abtransportiert durch die Rote Armee. Was die Soldaten nicht mit nehmen, ist ein Rucksack. In diesem findet die Polizei den Kopf eines Kriegsverbrechers.
Informationen wollen sie haben, diese Russen, rausrücken mit solchen wollen sie nicht. Nicht damit, was es mit der Kneipe eines gewissen Gutmann in der Neustadt auf sich hat, die fast abbrennt und dann die Leiche eines jungen Mädchens offenbart: Prostitution, geduldet von den Sowjets und nicht nur das…
Doch wiederum verschafft sich Max Respekt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Nicht von Ovtscharov und auch nicht vor Seidel, dem Staatsanwalt, der schon vor Mai 1945 aktiver Jurist war und nun in der Partei – einer anderen als damals. Ein Schritt, den Max nicht gehen will, so oft ihm auch dazu geraten wird.

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Goldammer, Frank: Der Angstmann

Schon einmal hat der Dresdner Frank Goldammer seine Heimatstadt als zerstörte Stadt beschrieben. Während aber FELDWEBEL sich durch eine (fast) menschenleere Stadt bewegte, und der Blogger hier den Weg ohne Stadtplan mitverfolgte, atemlos, stellt er nun fest, atemlos ist etwas Anderes. FELDWEBEL war Sience Fiction, war Fantasy, ein Genre, was Frank gern bediente…

DER ANGSTMANN. Ich gebe zu, da war ein klein wenig Skepsis. Was habe ich hier in den Händen? Wirklich „nur“ einen Kriminalroman, oder ist da noch etwas, etwas, das nicht von dieser Welt ist, vorhanden? Wer oder was mordet sich da durch das von Flüchtlingen überfüllte Dresden Ende 1944, Anfang 1945?

Wer mich kennt weiß, dass ich dem fantastischen Genre nicht übermäßig zugeneigt bin. Dem schreibenden Maler- und Lackiermeister dagegen schon. Wenige Seiten nach Beginn hatte ich die Befürchtung vergessen. Sie kam kurz wieder, verschwand aber auch schnell.

„Wie viel ist ein Menschenleben wert, wenn die Welt in Trümmern liegt? Der erste Fall für Kriminalinspektor Max Heller.“ (dtv)

Max Heller, Soldat des 1. Weltkrieges, nun Kriminalist in Dresden: Kriminalinspektor. Verheiratet. Zwei Söhne im Krieg. Leben sie noch? Parteilos. Organisationslos. Ein Ausnahmefall, weil die Kriminalpolizei doch in der Hand der sogenannten Schutzstaffel stand. Schwarz uniformiert sein Chef. Dienstgrad Obersturmbannführer.

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