Guiseppe Verdi; AIDA in der Semperoper

Ein Opernbesuch ist wohl selten geworden, wenn ich so darüber nachdenke, wann ich das letzte Mail in einer war.  War es wirklich Madame Butterfly (Puccini) im Teatro Avenida in Buenos Aires? Aber das wäre ja im Jahr 2007 gewesen… Statt dessen sah ich wohl mehr Musicals und Operetten…

Dresdner Semperoper © Bücherjunge

In der Semperoper allerdings war ich kurz vor Weihnachten 2022 im Nussknacker von Tschaikowski. Auch das eine sehr schöne Aufführung. Schaut doch mal in den Trailer hier. Passend zur Jahreszeit mit offensichtlichem Striezelmarkt auf der Bühne. Ebenso sehr schön die Einbeziehung der vielen Balettschülerinnen und Schüler. Ist bestimmt eine tolle Bühnenerfahrung in diesem Haus.

Aber hier soll es ja um AIDA gehen. Am 14. Januar saßen wir etwas rechts im Parkett des Opernsaales.  Die Oper wurde 1876 im neuen Opernhaus von Kairo Oper von Giuseppe Verdi (1813 – 1901) uraufgeführt. Es war ein Auftragswerk des osmanischen Stadthalters für Ägypten. Und Verdi war, so steht es im informativen Programmheft, zunächst gar nicht so angetan von diesem Auftrag. 

Ohne die ganze Handlung nachzuerzählen, die gibt es hier oder (gewohnheitsmäßig) hier, ganz kurz: Radamés, der Heerführer Ägyptens hat die Äthiopier besiegt. Im wird ein gewaltiger Triumph gewährt. Der Triumpfmarsch ist wohl das bekannteste Teil der Oper. Radamés liebt aber Aida, die äthiopische Königstochter, die als Geisel an den Hof des Pharao verschleppt wurde. Der Heerführer muss sich zwischen Loyalität und Liebe entscheiden und bekanntlich endet die Oper tragisch und beide sehen bei lebendigem Leibe eingemauert dem Tod entgegen.

Die Oper hat Katharina Thalbach inszeniert, das war für uns auch ein Grund zu schauen, wie die „Theaterfachfrau“ dies löst, an ihrer Seite Christian Thielemann, und damit ein Großer und den Dirigenten. Was beide dazu sagen, zeigt der Link über dem nächsten Bild. Making of Videos gibt es auch hier und hier.

In Kritiken war unter anderem zu lesen, dass Thalbach die Möglichkeiten auf Krieg und aktuelle diesbezügliche Ereignisse einzugehen, nicht ausgeschöpft hätte. In der Süddeutschen Zeitung wurde die Frage gestellt, ob denn eine unpolitische Aufführung des Stoffes möglich wäre, für die sich die Thalbach entschieden hätte. Sie hätte den politischen Faktor einfach ignoriert, wobei die Semperoper sowieso nicht der Ort wäre, der dafür steht, dass „alte Stoffe dem kritischen Zeitgeist anvertraut werden.“ Der MDR nannte die Inszenierung oberflächlich, von Ägypten-Klischees gezeichnet und benutzte das Wort Klamottenkiste, erklärt aber dass die „Düsterkeit des Krieges“ auch durch die Sängerinnen und Sänger eingefangen worden wäre. Es sei die Musik, die die Oberflächlichkeit vergessen machen würde, wenn die „Noten durch den Raum perlen.“

Thalbach & Thielemann erklären…

Ich halte das mit dem Krieg, gelinde gesagt, für Unsinn. Der bevorstehende Krieg und sein (siegreiches) Ende werden sehr schnell deutlich und das Dresdner Publikum hat dies sicher genauso verstanden. Thalbach hielt sich bei Bühnenbild und Kostümen an einige ältere „Vorgaben“, die teilweise auf Verdi selbst zurückgehen. Der Triumpfmarschwar entsprechend opulent, ich hätte zwar auch keine Balettszenen erwartet, aber in Farbe und Form sprachen die Szenen und natürlich der großartige Opernchor an. Man hatte das Gefühl von Ägypten, und genau das wollte der Khedive in Kairo auch von Verdi

Es war ein schöner Abend 

voll gewaltiger, eindringlicher Musik und hervorragenden Sängern.

* * *

A propos Kritik: Die Süddeutsche Zeitung nahm sich den Nussknacker vor. Hier wird von der „Nussknacker-Pause“ des Berliner Staatsballettes geschrieben, wegen „rassistischer und kolonialistischer Szenen“. Gemeint sind wohl die Ballettszenen im Reich der Zuckerfee, in denen chinesische, arabische, russische Tänze in entsprechenden Kostümen choreografiert wurden. Da fällt dann das Wort Cancle Culture. Allerdings ist der Artikel erwähnenswert, weil er Ansätze für klassische Stoffe im modernen Ballett anspricht. Der Dresdner „Nussknacker“, der auf diese stilisierten Gäste der Zuckerfee auch nicht verzichtet hat, ist glücklicherweise nicht einfach abgesetzt wurden. Man muss die klassischen Stoffe nicht in die Moderne „zwangsadaptieren“. Das Dresdner Publikum gilt zuweilen als konservativ. Ich finde, das ist gut so.

  • Hier findet ihr, was die Semperoper zum Nussnacker und zu Aida schreibt.
Semperoper im Regen © Bücherjunge

© Dresdner Bücherjunge (DD, 24.01.2023)

 

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